drucken
Bilderleiste
Kreisverband Karlsruhe Die Grünen in Karlsruhe

Die Anfänge

Gerhard Stolz:

30 Jahre Grüne Partei

31 Jahre Grüne Liste

Ein subjektiver Bericht




Am 13. Januar 1980 wurden in Karlsruhe die Grünen, heute Bündnis 90/Die Grünen gegründet. Ein historisches Ereignis, doch die Karlsruher selbst können auf eine historische Gründung ein Jahr früher zurückblicken. Bereits im Jahr 1979 entstand die Grüne Liste für Umweltschutz und Demokratie Karlsruhe, zeitgleich mit vielen Alternativen, Bunten und Grünen Liste in der übrigen damaligen Bundesrepublik.

Die Grüne Liste Karlsruhe entstand 1979 aus dem Zusammenschluss von Bürgern der alternativen und grünen Bewegung. Die noch heute präsente Bürgerinitiative „Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet“ war die Keimzelle dieser Bewegung. Besonders der Kampf gegen die Nord-tangente ließ bei vielen Mitgliedern und Sympathi-santen das Bedürfnis entstehen, nicht nur über ein Bürgerbegehren Einfluss auf die Kommunalpolitik zu nehmen, sondern selbst mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl 1980 anzutreten.
Im damaligen Gasthaus Salmen am Ludwigsplatz wurde dann die Gründungsversammlung abge-halten. Leider ist mir der genaue Tag nicht mehr präsent, aber ich weiß noch, dass die Gründung harmlos und in geordneten Bahnen verlief. Ebenso die Aufstellung der Liste im Frühjahr 1980 für die Gemeinderatswahl am 22. Juni im gleichen Jahr.
Dieser 22. Juni 1980 war dann für die Grüne- aber auch Umweltbewegung schon von großer Bedeutung. Die Grüne Liste erhielt zwei Sitze im Karlsruhe Gemeinderat die von Lüppo Cramer und Dr. Jürgen Seeberger eingenommen wurden. Auf Platz drei kam ich, das bedeutete den ersten Nachrückerplatz.
Damit gingen die friedlichen Zeiten bei der grünen Liste zu Ende. In der linken Szene sprach sich herum, dass man über den Gemeinderat doch politischen Einfluss nehmen konnte, zumindest war dies vorherrschende Meinung. Die zahlreichen Gruppen in Karlsruhe mit einem K (für kommunistisch) oder M (für marxistisch) entsandten ihre Vertreter in die Grüne Liste und bestimmten fortan die Diskussionskultur. Selbstverständlich waren unsere beiden Stadträte im Gemeinderat in der Opposition, die es aber offiziell in einem Gemeinderat gar nicht gibt. Trotzdem, unsere Leute waren isoliert. Teilweise wurden sie von Kollegen der anderen Parteien geschnitten. Aus dieser Position heraus Politik zu gestalten war nicht machbar. Strategien zu entwerfen, um doch irgendwann einmal etwas bewegen zu können, war durch die vielen Neueintritte aus den extremen linken Splittergruppen, die eine ganz eigene Vorstellung von Politik hatten, unmöglich gemacht. Denn eine neue Wortschöpfung machte die Runde: Fundamentalopposition. Meines Erachtens entstanden daraus die lange bei den Grünen vorhandenen Lager der Fundamentalisten und der Realos. Ohne Zweifel war diese Wortschöpfung die Verbalisierung der politischen Strategie des extremen linken Lagers.
Und wie ging es nach der Wahl weiter? Streit ohne Ende, die beiden Stadträte der Grünen Liste wurden wegen Nichtigkeiten laufend angegriffen, was dazu führte, dass Lüppo Cramer nach knapp drei Jahren entnervt sein Mandat zurückgab und ich für ihn nachrückte.
Bei der kommenden Kommunalwahl im Oktober 1984 erreichten wir dann acht Mandate. Lüppo Cramer trat mit einer eigenen, der Karlsruher Liste an und wurde in den Gemeinderat gewählt. Ein Teil seiner Mitstreiter kamen von der Grünen Liste und waren dort Gründungsmitglieder, hauptsächlich aus dem ganz ursprünglichen Lager der Umweltschützer.