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Kreisverband Karlsruhe Die Grünen in Karlsruhe

Grüne Frauen unterwegs – der lange Weg zur Chancengleichheit

 

So lautete der Titel der Veranstaltung am Sonntag, 5.3.2006, der von der LAG Frauenpolitik der Grünen in Baden Württemberg mit den Landtagskandidatinnen Renate Rastätter, Mdl (KA West), Dr. Gisela Splett (KA Ost) und Angelika Sell-Kamuf (Bretten) durchgeführt wurde. Gabriele Aumann, Landtagskandidatin im Wahlkreis Bruchsal, steckte in München im Schnee fest…

Die Begrüßung der gut besuchten Veranstaltung übernahm Sylvia Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete der Karlsruher Grünen und umweltpolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag. Sie machte deutlich, dass es den Grünen mit Abstand am besten gelungen sei, Männer und Frauen innerhalb der Partei zu gleichen Teilen zu beteiligen und dass echte Demokratie nur mit einem gleichberechtigten Anteil beider Geschlechter an politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen verwirklicht werden könne.

 

 

Ulrike Maier, Sprecherin der LAG FrauenPolitik der Grünen im Land betonte, dass die Diskussion um Chancengleichheit nach wie vor von höchster Brisanz sei zumal alle ernst zu nehmenden Daten und Fakten belegten, dass die gefühlte Gleichberechtigung noch weit von der gelebten entfernt sei. Alleine die Tatsache, dass Frauen nach wie vor im Schnitt für gleiche Arbeit 23% weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen mache dies deutlich, aber auch, dass Erziehungs- und Bildungsaufgaben innerhalb der Familien mit der größten Selbstverständlichkeit Frauen zugewiesen werden.

Gerade junge Männer seien aber aufgeschlossen und verstünden Chancengleichheit auch für sich selbst als eine Möglichkeit, aus ihrer tradierten Geschlechterrolle z.B. als Alleinernährer auszubrechen. "Wenn sie dafür diskriminiert werden, dass sie sich z.B. mehr an der Kindererziehung einbringen oder so genannte "Frauenberufe" erlernen, können wir das genauso wenig hinnehmen, wie die bisherige offene und versteckte Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben," betont Ulrike Maier.

 

Renate Rastätter stellte noch einmal das grüne Konzept der 9-jährigen Basisschule vor. Dieses Modell nach skandinavischem Vorbild sorge dafür, dass Kinder sozial gerecht und individuell gefördert werden könnten. Noch immer sei der Geldbeutel der Eltern in Deutschland ausschlaggebend für die Schulbildung der Kinder—dies sei vom ständischen Schulsystem zu Bismarcks Zeiten nicht allzu weit entfernt und alles andere als sozial gerecht. Gerade den drängenden gesellschaftlichen Problemen wie mangelnde Integration und demografische Entwicklung sei nur mit einem modernen Bildungsansatz, der früh greife, zu verwirklichen. Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch Kinder aus sozial schwachen, bildungsfernen Familien oder Kinder mit Lern- oder körperlichen Behinderungen würden im bestehenden System noch nicht optimal gefördert. Wertvolles Potential gehe so verloren und dies sei angesichts des Bildungsschicksals eines jeden einzelnen Kindes nicht hinnehmbar. Kinder, die heute durch die Netze des Bildungssystems fielen, würden später häufig durch die sozialen Netze fallen.

 

Gisela Splett, Mutter eines 12 jährigen Sohns und einer anderthalbjährigen Tochter, ging noch einmal auf das unzureichende Betreuungssystem ein und wartete mit Zahlen aus Karlsruhe auf: nur 5% der unter Dreijährigen hätten zur Zeit einen Betreuungsplatz. An dieser Situation habe sich seit 10 Jahren so gut wie nichts geändert – was sie aus eigener Erfahrung bestätigen könne. Nach wie vor stelle es für Frauen ein großes Problem dar, einer Berufstätigkeit nachzugehen und den Nachwuchs gut versorgt zu wissen.

 

 

Auch fehlende Ganztagsschulplätze, die nach den Plänen der Landesregierung nur "nach Bedarf" eingerichtet werden sollten, seien ein Problem. Damit sich hier etwas ändere, müsse angebotsorientiert gehandelt und Plätze bereitgestellt werden. Nach wie vor sei Kinderbetreuung aber auch zu teuer – besonders allein erziehende Mütter stelle das manchmal vor unlösbare Probleme. Und oft stelle sich gerade für gut ausgebildete Frauen die Frage. Kann ich mir ein Kind überhaupt leisten? Dass viele sich dann letztendlich dagegen entscheiden, belegt nicht zuletzt die Tatsache, dass über 40% Akademikerinnen kinderlos sind. Unter einem kinderfreundlichen Baden-Württemberg stellen sich die Grünen Frauen jedenfalls etwas anderes vor.

 

Angelika Sell-Kamuf ging auf die Problematik älterer Frauen ein, bezahlbaren Wohnraum und ein Umfeld zu finden, in dem ein zwar individuelles Leben möglich sei, aber auch sozialer Ausgrenzung und Vereinsamung vorgebeugt werde. Es sei daher kein Fehler, sich beizeiten Gedanken darüber zu machen, mit wem und in welcher Form frau im Alter leben wolle. "Die Großfamilie gibt es selbst auf dem Land nicht mehr, die Kinder ziehen häufig fort, aber auch nicht alle Eltern möchten im Alter mit ihren Kindern zusammenwohnen" so Angelika Sell-Kamuf. Die Tatsache, dass Frauen bei bester Gesundheit immer älter würden, aber auch dass sie unverhältnismäßig oft von Altersarmut betroffen seien mache es nötig, über neue Ansätze des Wohnens im Alter und auch seine staatliche Förderung nachzudenken.