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Kreisverband Karlsruhe Die Grünen in Karlsruhe

Kohle aus Kolumbien für Karlsruhe

 

30 % ihrer Kohle bezieht die EnBW aus der Bergbauregion im Nordosten Kolumbiens, zu fairen Bedingungen natürlich – oder? Volle vier Stunden informierten sich am 17.Juni rund 100 Interessierte über die Konsequenzen des Kohleabbaus vor Ort und diskutierten mit dem kolumbianischen Menschenrechtler und Umweltschützer Mauricio Meza Blanco, dem Journalisten Kai Laufen, der Migrationsexpertin Laura Pinzón, , MdL Dr. Gisela Splett und Jochen Oesterlink von der EnBW AG.

 

Durch eine Anfrage von Gisela Splett und der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl wurde bekannt, dass 30 % der Kohle, die die EnBW für ihre Kraftwerke benötigt, aus Kolumbien stammt. Russland ist größter, Kolumbien zweitgrößter Lieferant – nach Deutschland. Kolumbien setzt weiterhin stark auf den Ausbau. Laut dem Regierungsprogramm „Vision 2019“ von 2006 soll der Bergbau pro Jahr um 6% wachsen. Dabei liegt die Kolumbianische Steinkohle im Gegensatz zu den deutschen Vorkommen, deren Förderung bis 2018 auslaufen soll, überwiegend oberflächennah und wird im Tagebau abgebaut. Es geht um riesige Gebiete, einen immensen Landbedarf, um Vertreibung indigener Völker und Bauern und Zerstörung von für Nahrungsproduktion und Naturschutz wichtigen Flächen, um Belastung von Luft und Wasser in großem Ausmaß. Dazu kommt, dass die Gesetze zum Regeln der Kohleförderung zwar tauglich sind, der Staat aber schwach - 19 Beamte überwachen 3000 Abbaukonzessionen – und auf allen Ebenen korrupt.

 

Abgebaut wird von den drei Weltkonzernen El Cerrejón (im Besitz von PHP Billiton, XStrata und Anglo American), Glencore und Drummond, die in den zwei größten Fördergebieten – El Cerrejón und La Jagua – jeweils mehrere Minen betreiben - aber auch von hunderten kleiner heimischer „Bergbauunternehmen“, die bei den Punkten Arbeitssicherheit und Umweltverschmutzung eindeutig schlechter abschneiden. Wer gegen den Bergbau protestiert oder sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt, lebt gefährlich: Manche Paramilitärs aus Kolumbiens gewaltvoller Vergangenheit findet man heute als Sicherheitskräfte der Bergbauunternehmen wieder. Auch unser Referent Maurizio Meza Blanco war Verfolgungen ausgesetzt und steht jetzt unter dem Schutz der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte in Washington.

Was also tun? Maurizio Meza Blanco hofft darauf, dass wir uns für sein Land und seine Probleme interessieren und engagieren – nicht zuletzt durch sparsameren Umgang mit Kohle und Palmöl, dem zweiten Problem-Produkt Kolumbiens. Wegen dessen Unbedenklichkeitsstudie ruft er zum Boykott des WWF auf – wegen der Landzerstörung könne Bergbau in Kolumbien nie nachhaltig sein.

 

Von der EnBW erhofft er sich, dass sie ihren Einfluss als Käufer nutzen, um sich für Menschenrechte, Umweltschutz und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Die Chance besteht: Während die EnBW die kolumbianische Kohle bisher vorallem über Zwischenhändler bezog, werde angestrebt, in Zukunft verstärkt Verträge direkt mit den Bergbauunternehmen abzuschließen. Dies bietet neben finanzieller Vorteile die Möglichkeit direkterer Einflussnahme – und für uns die Verpflichtung, die EnBW immer wieder an ihre Verantwortung auch beim Kohleabbau zu erinnern. Wie bei dieser Veranstaltung, einer Gemeinschaftsproduktion des BUND und der Grünen Kreisverbände Karlsruhe und Ettlingen – mit kräftiger Unterstützung durch das Wahlkreisbüro Sylvia Kotting-Uhl und deren Mitarbeiterin Babette Schulz (Moderation).

 

Wer an diesem Thema dran bleiben möchte: Maurizio wird uns in unregelmäßigen Abständen mit Informationen aus Kolumbien versorgen, die wir an den Verteiler „Kohle aus Kolumbien“ weiter leiten werden. Zur Aufnahme in den Verteiler senden Sie uns/sendet uns bitte eine kurze Nachricht über das Kontaktformular.