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Kreisverband Karlsruhe Die Grünen in Karlsruhe

Filmvorführung "Let's make money" und Diskussion mit Sven Giegold

 


Im Rahmen der vorstehenden Europawahlen wurde Sven Giegold von den Karlsruher Grünen zu einem Filmabend mit anschließender Diskussion eingeladen. Ca. 120 Gäste warn in die „Kurbel“ zur Vorführung des Filmes „Lets make Money“ von Erwin Wagenhofer gekommen. Sven Giegold, Europakandidat der Grünen (Listenplatz 4), ist Wirtschaftswissenschaftler, hat langjährige internationale Erfahrungen im Bereich der Wirtschafts-Globalisierung und ist Mitgründer von ATTAC Deutschland. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er schon lange vor der Krise grundsätzliche Finanzreformen gefordert.


Durch den Abend führte Ingeborg Kraus, Mitglied der Grünen und Europasprecherin für Karlsruhe. Sie begrüßte Sylvia Kotting-Uhl (Bundestagsabgeordnete), Gisela Splett (Landtagsabgeordnete) und Klaus Stapf (Umweltbürgermeister). Sie wies darauf hin, dass alle - z.B. über Rentenfonds-Einzahlungen - von der globalen Wirtschaftskrise betroffen sind, dass sie aber für Menschen, die keine finanziellen Reserven haben, Existenz bedrohend ist.


Während der anschließenden Diskussion stellte das engagierte Publikum sehr viele qualifizierte Fragen zur Wirtschaftkrise. Sven Giegold verwies in seinen Antworten auf die Bemühungen der Grünen, den wirtschaftlichen Schieflagen und den sozialen Ungerechtigkeiten mit einem neuen „Green New Deal“ entgegen zu wirken. Der Green New Deal beinhaltet 4 Punkte:

  • Arbeitsplätze sollen durch Investitionen in Klimaschutz, Bildung und Soziales geschaffen werden. Die Wirtschaft soll damit auf ein neues Fundament gestellt werden.

  • Die Klimakrise und die Wirtschaftskrise können nur gemeinsam gelöst werden. Nur mit erneuerbaren Energien, innovativen Umwelttechnologien und unweltfreundlichen Autos kann die europäische Wirtschaft wieder fahrt aufnehmen und das Klima geschützt werden.

  • Unsere Zukunft soll auf den globalen Finanzmärkten nicht weiter verspielt werden. Durch eine europäische Finanzmarktaufsicht, sowie klaren Haftungsregeln für Manager sollen die Finanzmärkte stärker reguliert werden. Gegen die Steueroasen soll entschlossen vorgegangen werden.

  • Es soll ein neuer sozialer Augleich bei uns sowie zwischen Nord und Süd geschaffen werden. Durch europaweite Mindestlöhne, starke Sozialstandards und eine faire Welthandelsordnung.


Auf EU-Ebene möchte sich Sven Giegold insbesondere gegen die bestehenden Steueroasen einsetzen, die Steuerhinterziehungen im großen Stiel ermöglichen.


Etwas über den Film "Lets make money"


Der Regisseur Erwin Wagenhofer ist Österreicher, seit 1987 Filmemacher, und ist durch den durch den Film „We feed the World“ für viele schon bekannt.

Vor Jahren fiel Ihm der Werbespruch einer Bank auf, der lautete „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“. Für ihn war das einfach nur Schwachsinn. Geld kann nicht arbeiten. Arbeiten können Menschen, Maschinen und vielleicht noch Tiere. Er wollte herausfinden, wie das konkret aussieht: Was passiert, wenn unser Geld, das Kapital, arbeiten soll. Meistens funktioniert das über Ausbeutung, und das war der Ausgangspunkt für den Film.


Sind wir persönlich von diesem Thema betroffen? Im Grunde genommen JA. Ob wir Aktien besitzen spielt keine Rolle, spätestens über unsere Renteneinzahlungen fließt das Geld in so genannte Fonds, in Rentenfonds etc. und wird dort vermehrt oder auch nicht – momentan sehen wir, wie es nicht vermehrt, sondern eher vernichtet wird. Und es ist traurigerweise oft das Geld der kleinen Leute, der ganz einfachen Menschen.


Das Filmteam besteht aus Lisa Ganser und Erwin Wagenhofer. Beide sind zwar politische Menschen, aber keine Experten für Finanzwirtschaft und genau das macht den Film interessant: sie Sprechen eine Sprache, die jeder Mensch verstehen kann. In der Fachterminologie wird von „Deregulieren“ oder „Liberalisieren“ gesprochen, doch in Wirklichkeit wird unter dem Deckmantel dieser Begriffe massive Ausbeutung betrieben. Und genau das wollte das Team wissen: Erst haben sie dem Lebensmittelmarkt ein wenig unter den Rock geschaut, jetzt schauen sie hinter die Kulissen des Geldmarkts. Ihr Mittel ist der kindliche Blick: sie stellen ganz einfache Fragen: z.B. es hat noch nie so viel Geld gegeben wie jetzt, aber wo ist es?


Es sind nicht die kriminellen Machenschaften, die sie interessierten, sondern alles, was sich im legalen Rahmen abspielt. Das ist oft kriminell genug obwohl es legal ist. Erwin Wagenhofer wollte das System verstehen und das scheint „out of Balance“ zu sein. Bei uns gehen jeden Tag tausende von Arbeitsplätzen verloren weil Produktionsstätten ins Ausland verlegt werden. Das Schlimme ist, dass damit auch unser Kapital ins Ausland geht.


Let’s make MONEY folgt dem Weg unseres Geldes, dorthin wo spanische Bauarbeiter, afrikanische Bäuerinnen oder indische Arbeiterinnen unser Geld vermehren und dabei selbst bettelarm bleiben. Der Film zeigt uns die gefeierten Fondsmanager, die das Geld ihrer Kunden jeden Tag aufs Neue anlegen. Zu sehen sind Unternehmer, die zum Wohle ihrer Aktionäre ein fremdes Land abgrasen, solange die Löhne und Steuern niedrig und die Umwelt egal ist. Wir erleben die allgegenwärtige Gier und die damit verbundene Zerstörung, die mit unserem Geld angerichtet wird.


Der Film zeigt uns mehrere Ebenen des Finanzsystems. Wir erfahren auch, warum es auf dem Globus zu einer unglaublichen Geldvermehrung gekommen ist. Und wir lernen die Konsequenzen für unser Leben kennen. Täglich werden Milliardensummen, die möglichst hoch verzinst werden sollen, mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus transferiert.


Es geht dabei immer um Interessen von wenigen Mächtigen. Soziale Errungenschaften gehen nicht nur in der „dritten Welt“ verloren. Unser Gesundheitssystem, die Rente oder die Energieversorgung wird auch bei uns unsicher. Wir alle sind direkt davon betroffen. Und genau davon handelt der Film: Wir erleben keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise – die wir mit unserem Geld beeinflussen können.