
Neujahrsempfang 2009 mit Gesine Schwan
Auf Einladung der Karlsruher Grünen kamen am 2.2.2009 ca. 200 Gäste ins Tollhaus zum Neujahrsempfang. Der Höhepunkt des Abends war eine Rede von Prof. Gesine Schwan, die bei der kommenden BundespräsidentInnen-Wahl als Kandidatin der SPD antreten wird.
Da auch viele Grüne unterstützen die Wahl von Frau Schwan zur nächsten Bundespräsidentin, bot ihr Auftritt am Neujahrsempfang eine gute Möglichkeit, sie live zu erleben und - im Anschluss an ihre Rede - mit ihr in Diskussion zu treten.

Durch den Abend führte Uta van Hoffs, Mitglied des Karlsruher Grünen Kreisvorstands. Sie begrüßte u.a. mehrere Landes- und Bundestagsabgeordnete sowie die Grünen Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg Petra Selg und Daniel Mouratidis. Mit Blick auf die Karlsruher Situation appellierte sie daran, nicht an den falschen Enden zu sparen und auch und gerade in der Krise Geringverdienende und sozial Schwache stärker zu berücksichtigen.

Klaus Stapf lobte die beiden folgenden Rednerinnen für ihren authentischen und engagierten Einsatz in der Umweltpolitik (Sylvia Kotting-Uhl) und in der Bildungspolitik (Gesine Schwan). Er hieß die BundespräsidentInnen-Kandidatin Schwan herzlich in Baden willkommen, da sie mit einigen Semestern in Freiburg einen - sicherlich positiven - Bezug zu unserer Region hat.

Sylvia Kotting-Uhl argumentierte, dass ein Schlüssel für den Weg aus der Krise in dezentralen Strukturen liegt. Lokale Kreisläufe seien besser zu kontrollieren und leichter verständlich, und in lokalen Strukturen zeigen sich viele Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften, wie bspw. einige energieautarke Gemeinden in Baden-Württemberg.

Frau Prof. Schwan fand in ihren Wegen aus der Krise viele Anknüpfungspunkte zur Bildungspolitik. Zuerst müsse man sich die Frage stellen, wie man überhaupt in die Krise hineingeraten sei. Hier diagnostizierte Frau Schwan eine Kultur des Mitläufertums, aus der heraus viele Manager Probleme ignorierten und eigene Handlungen nicht in Frage stellten, um sich selbst nicht schlechter zu stellen. Die Bologna-Reformen hin zum schnellen Studium in Bachelor- und Masterstudiengängen, die stets ökonomisch begründet wurden, förderten einen kritischen Blick auf die wirtschaftlichen Prozesse wenig und könnten eine Krise wie die heutige eher begünstigen. Aufgabe von Bildungspolitik muss also auch sein, den Rahmen dafür zu schaffen, dass junge Menschen das kritische Hinterfragen erlernen.
Mit Blick auf die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik sagte Frau Schwan, dass diese auf ihre moralischen Prinzipien bestehen sollten, auch wenn sie dadurch einmal einsam dastehen könnten. "Bestimmte Ämter sollte man gar nicht erst anstreben, wenn man nicht auch Einsamkeit aushalten kann" ist Frau Schwan überzeugt, und scheint damit sicherlich auch das Amt an der Staatsspitze nicht auszunehmen.

Die musikalische Untermalung des Empfangs übernahm Uli Kieckbusch, der mit seinen Kompositionen grün-amüsante Akzente setzte.









